GANZHEITLICHE Sprachbildung

Das Wort „GANZHEITLICH“ begegnet uns in verschiedenen Zusammenhängen: ganzheitliche Medizin, ganzheitliche Bewegungswissenschaft, ganzheitliche Pädagogik. Damit ist gemeint, dass man Aufgaben oder Themen nicht losgelöst von allem anderen betrachtet, sondern in einen größeren Gesamtzusammenhang stellt. Auch wenn der Bauch weh tut oder es in der Schulter zieht, können die Ursachen, an ganz anderer Stelle liegen und da wäre es verkehrt nur am Bauch oder an der Schulter herumzudoktern.

Auch wenn man – einen Aspekt in Vordergrund stellt – wie wir hier die Sprache – sollte man nicht alles andere außer Acht lassen. Wir betrachten beim Lernen, bei der Entwicklung immer das ganze Kind, die ganze Person. Auch wenn mein Hauptinteresse ist, dass das Kind sprechen lernt, darf ich mich nicht allein auf den Mund konzentrieren und nur darauf hören, welche Wörter das Kind schon (aus)sprechen kann. Ich muss das ganze Kind sehen und ihm Angebote machen, die alle Sinne ansprechen, damit es vielfältige Eindrücke bekommt, Erfahrungen macht und dabei sein Denken und Sprechen erweitert.

Kinder bilden sich selbst, sie lernen am besten mit allen Sinnen, mit Spaß und Bewegung.

Wir haben in unserem Gehirn verschiedene Areale, die für verschiedene Aufgaben zuständig sind. Die rechte Gehirnhälfte steuert die Bewegung der linken Körperhälfte, die linke Gehirnhälfte die Bewegungen der rechten Körperhälfte. Während in der linken Gehirnhälfte die Informationen logisch und analytisch verarbeitet werden, ist die rechte Gehirnhälfte für die eher intuitive und ganzheitliche Verarbeitung der Sinneswahrnehmungen zuständig.

Wenn wir die Bildung der Kinder begleiten, müssen nicht unbedingt genau wissen, an welchen Stellen im Gehirn Sprache, Bewegungen und oder andere Körperfunktionen gesteuert werden. Es ist nur wichtig zu wissen, dass es für das Lernen ganz entscheidend ist, dass neue Inhalte über möglichst viele verschiedene Wege in unser Gehirn gelangen, und dass möglichst viele Verbindungen zwischen den einzelnen Arealen des Gehirns aufgebaut werden, damit die Lerninhalte dauerhaft gespeichert werden. Je mehr Verbindungen es zwischen den beiden Gehirnhälften gibt, umso besser geht das Denken.

Deswegen ist es wichtig viele Angebote zu machen, die alle Sinne ansprechen und die dem Kind Spaß machen. 7 Sinne: Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen, Bewegungssinn und Gleichgewichtssinn.

Das Kind baut sich über alle sieben Sinne ein Körperschema auf:

  • Das sind die Empfindungen meines Körpers.
  • Welche Eigenschaften hat etwas? Ist es weich, hart, schwer, rollt weg?
  • Ich muss es mit meinen Händen begreifen, mit dem ganzen Körper erleben, damit ich mir das Wort dazu merken kann.

Über das Körperschema kann das Kind erst zu richtigen und koordinierten Handlungen kommen.

  • Wie muss ich meine Füße und Beine bewegen, damit ich vorwärts – oder rückwärts komme?
  • Wie muss ich etwas anfassen, damit ich es hochheben kann …
  • Auge-Hand-Koordination: Wohin muss ich greifen, damit ich das erreiche, was ich sehe und haben will.
  • Auge-Hand-Mund-Koordination: Wie bekomme ich das, was ich sehe, in die Hand und in den Mund? (Mit Hand und Mund kann man besonders gut fühlen und begreifen)
  • Ohr-Mund-Koordination: Wie muss ich meine Zunge, meine Lippen bewegen, damit Laute herauskommen, die ich bei anderen höre?

Und darauf aufbauend entwickeln sich das Denken und die Sprache. Für uns Erwachsene, die wir alle schon lange sprechen können, ist ein Denken ohne Sprache gar nicht mehr vorstellbar. Die Kinder können aber auch schon denken, bevor sie sprechen können.

Was bedeutet das für uns Erwachsene, die wir die Bildung der Kinder begleiten?

Wir machen sinnliche Angebote. Gestalten wir den Tag für das Kind als ein sinnliches Erleben. Ganz viel erleben: nicht nur sehen und hören, sondern vor allem anfassen, befühlen, schmecken, riechen – mit dem ganzen Körper erleben. Sich selbst dabei bewegen und die Dinge bewegen.

Geben wir dem Kind die Möglichkeit, viele Erfahrungen mit unterschiedlichen Materialen zu machen: Stoff, Wasser, Knete, Sand, Papier, im Zimmer und draußen. Mit Alltagsgegenständen: mit dem Löffel oder dem Waschlappen, mit dem Teppich oder den Fliesen im Bad. Mit Naturmaterialien, die es beim Spaziergang findet. …

Kommentieren Sie dabei sprachlich die Erfahrungen, die das Kind macht.

 

Gesina Volkmann, Dezember 2014

 

2 Kommentare zu “GANZHEITLICHE Sprachbildung”

  1. Hannelore sagt:

    Lernen mit allen Sinnen macht Sinn!

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